Der kleine Film zeigt nicht nur eine der schönsten Sex-Szenen des deutschen Kinos,
sondern erzählt moralfrei eine kluge Geschichte über emotionale Transferleistungen - die Liebe als Ware.
SPIEGEL.DE, Christian Buß
“Zarte Parasiten” ist ein origineller, schön fotografierter, von Robert Stadlober, Maja Schöne und Sylvester Groth spannend gespielter, ruhiger Film über die Perspektivlosigkeit des Lebens und die Charakterstärke seiner aus allen gesellschaftlichen Bindungen
gefallenen Figuren.
FAZ, Rüdiger Suchsland
Mit kühler Präzision treiben Becker und Schwabe die Auflösung voran.
DER TAGESSPIEGEL, Sebastian Handke
Der unspektakuläre kleine Film der beiden Deutschen erinnert in seiner gelungenen Balance tragikomischer Motive an die Anfänge Francois Truffauts.
TITEL-MAGAZIN, Wolfram Schütte
Zarte Parasiten ein ungewöhnlich kluger Titel für einen ungewöhnlich klugen Film.
KINO-ZEIT.DE, Peter Gutting
Though their film shares some of the same weltschmerz pessimism and
let's-take-on-the-world-on-our-own-terms attitude of "The Edukators,"
Schwabe and Becker prefer somber but emotionally solid filmmaking over
hipper-than-thou visuals and music.
VARIETY, Boyd van Hoeij
Becker und Schwabe inszenieren Anomalien und Unerwartetes, das moralisch Verwerfliche und allen Regeln Widerstrebende, ohne moralisch zu sein.
CINEMATOGRAFO.IT, Davide Turrini
„Zarte Parasiten“, einer der schillernsten Filme in den letzten Tagen der „Orizzonti“ – Reihe.
INDIE-EYE.IT, Alfonso Mastrantonio
Es ist ein Glücksfall, dass die klugen Regisseure die aufgekommene Spannung
in den ausdrucksstarken Gesichtern von Robert Stadlober und Maja Schöne
nicht mit einem Gewaltakt lösen.
FILMDIENST, Alexandra Wach
Es gelingt den Regisseuren, die fragwürdige Geschäftsidee in ein positivesLicht zu rücken und gleichzeitig unsere immer stärker anonymisierte Gesellschaft anzuprangern. Das ist wohl die größte Leistung des Dramas.
FILMREPORTER.DE, Nina Klofac
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Tausche Zärtlichkeit gegen Zimmer
Gefühle on demand: In "Zarte Parasiten" nistet sich ein Pärchen bei einsamen Menschen ein. Der kleine Film zeigt nicht nur eine der schönsten Sex-Szenen des deutschen Kinos, sondern erzählt moralfrei eine kluge Geschichte über emotionale Transferleistungen - die Liebe als Ware.
Einmal noch die Liebe erleben, das ist der letzte Wunsch der bettlägerigen alten Dame. Manu (Maja Schöne) und Jakob (Robert Stadlober) sind gekommen, um ihn zu erfüllen. Sie ziehen sich aus, um auf dem Bettvorleger der Frau miteinander zu schlafen. Die jungen nackten Körper gleiten ineinander, die Greisin lächelt, im Hintergrund laufen uralte Chansons.
Der Drei-Personen-Akt am Anfang von "Zarte Parasiten", eine der schönsten Sex-Szenen des an schönen Sex-Szenen nicht gerade reichen deutschen Kinos, führt direkt hinein in ein ziemlich schwierig zu beschreibendes Abhängigkeitsverhältnis. Denn was für eine Funktion erfüllen Manu und Jakob eigentlich für die alte Dame, bei der sie sich eingenistet haben und die sie im wahrsten Sinne mit ganzem Körpereinsatz umsorgen - Illusionismusarbeiter, Sehnsuchtsvollstrecker, Geselligkeitsdienstleister?
Es ist die große Kunst dieses kleinen Films von Christian Becker und Oliver Schwabe ("Egoshooter"), dass die beiden Regisseure ganz konkret von emotionalen und körperlichen Tauschgeschäften erzählen, ohne dass dem Zuschauer einmal das P-Wort in den Sinn kommt: Nein, Prostitution geht anders.
Die beiden sonderbaren Helden von "Zarte Parasiten" täuschen ja nichts vor. Vielmehr vollziehen sie ein Handelsgeschäft wie es ähnlich eine Mitwohnzentrale für die eigenen Kunden einfädelt: Sie haben den Raum, wir haben die Möglichkeit, ihn mit Liebe zu füllen.
Wobei Manu und Jakob eigentlich gar keinen festen Wohnsitz brauchen. Im Wald haben sie sich ein Lager aufgeschlagen, in der Stadt schlüpfen sie bei einsamen Menschen lediglich deshalb unter, um materiellen Notwendigkeiten nachzugehen. Wie die Sehnsucht der anderen und die eigene Liebe über Strecken als reelles Transfergeschäft funktionieren kann, davon wurde selten so klar erzählt wie in diesem Film.
Gefühle sind Risikoinvestitionen
Doch was passiert, wenn der Deal zu platzen droht, weil sich die emotionalen Koordinaten während des Handels fatal verschieben? Denn während Manu hauptsächlich die Nähe-bedürftige Alte versorgt, versucht Jakob einen neuen Tauschpartner an Land zu ziehen: Der passionierte Segelflieger Martin (Sylvester Groth) hat erst vor kurzem seinen Sohn verloren, und Jakob versucht nun die Stelle des Toten einzunehmen.
Bald schmirgeln der Alte und der Junge gemeinsam an dem Rumpf und den Flügeln einer Oldtimer-Maschine herum, abends isst man Salat und trinkt Rotwein am schönen Holztisch der Familie, und schließlich darf Jakob auch noch ins Zimmer des verlorenen Sprosses einziehen. Im Spind hängen noch dessen alten Polo-Hemden. Aber erfüllt der junge Mann wirklich nur das Bedürfnis des anderen nach einem Sohn - oder erfüllt er nicht vielmehr sich selbst das eigene nach einem Vater?
Wie gefährlich: Der kalkulierte Handel könnte auf einmal an den eigenen unkalkulierbaren Wünschen und Bedürfnissen scheitern. Gefühle, da kann man noch so einen professionalisierten Blick wie Jakob auf sie haben, sind eben immer Risikoinvestitionen.
Unaufgeregt, angenehm moralfrei und gleichzeitig niemals ihre Figuren desavouierend erzählt das Regie-Duo Becker und Schwabe von diesen Unwägbarkeiten innerhalb der menschlichen Verhaltensökonomie. Einziges Manko: Manchmal folgt einem vielsagenden Blick noch einmal ein Satz, der das gleiche sagt. Völlig überflüssig.
Denn das Verschwenderische der Tautologie und der wiederholenden Beschreibung läuft der Tiefenschärfe zuwider, mit der in dieser günstig gedrehten, jedoch sorgsam ausformulierten Indie-Produktion die emotionalen Transfers in Szene gesetzt werden: Die wahre Liebe, hier meint sie auch immer die Ware Liebe.
SPIEGEL.DE, Christian Buß
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Geld gegen Liebe
Ist das nicht wirklich eine Marktlücke: Einsamen Menschen ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken – gegen Geld? Zwei junge Menschen erproben dieses Geschäftsmodell. Sie stoßen auf Probleme, mit denen sie nicht im Traum gerechnet haben. Fast zwangsläufig führt ihre Blauäugigkeit in einen moralischen Abwärtssog. Und trotzdem geben sie nicht auf. Eine atmosphärisch dichte, wunderbar stimmig erzählte Mischung aus Thriller und Sozialstudie.
Am Anfang stand eine Zeitungsmeldung. Berichtet wurde von einer jungen Frau, die mit ihrem Freund ein halbes Jahr im Wald "wohnte". Die beiden wollten ein neues Lebensmodell umsetzen, das weniger die Liebe zur Natur in den Mittelpunkt stellte als die Sehnsucht nach kompromissloser Selbstbestimmung. Das Regisseursduo Christian Becker und Oliver Schwabe hat diese Idee aufgegriffen und daraus eine ebenso fantasievolle wie präzise Figurenkonstellation entwickelt.
Manu (Maja Schöne) und Jakob (Robert Stadlober) campieren in der Natur unter freiem Himmel, ein junges Paar in den Zwanzigern, verliebt und wie in einem langen Urlaub. Doch der Alltag der beiden ist alles andere als idyllisch. Notorische Geldnot bringt einen gehetzten Unterton die stolze Autarkie. Manu bekommt zwar ab und zu ein paar Euro von der alten Frau, die sie betreut. Doch Jakob ist gerade erst dabei, eine neue Beziehung zu knüpfen. Er sucht die Nähe von Claudia (Corinna Kirchhoff) und Martin (Sylvester Groth), einem gut situierten Ehepaar, das vor Kurzem den Sohn verloren hat. Wie das alles funktioniert und auf welcher Basis Zuneigung gegen Geld getauscht wird, das verrät der Film erst nach und nach. Und weil er gerade daraus seine Spannung bezieht, sollte vorab auch nicht allzu viel preisgegeben werden. Nur dies: Klar verabredet und für alle Beteiligten durchsichtig sind die "Geschäftsbeziehungen" nicht.
Man könnte meinen, die beiden Regisseure, die 2004 schon bei Egoshooter zusammengearbeitet haben, seien in ihrem früheren Leben Sozialarbeiter gewesen. So realistisch schildern sie die Verwicklungen der „Beziehungsarbeit“. Wie stark muss man sich mit seiner ganzen Person einbringen, um jemandem zu helfen? Wie glaubwürdig ist ein solches Engagement, wenn man es für Geld tut? Wo muss der berufsmäßige Helfer Grenzen setzen, um sein Privatleben zu retten?
In der Tat haben beide Regisseure vor dem Film etwas anderes gemacht. Aber nicht im sozialen, sondern ebenfalls im künstlerischen Bereich. Beide haben als Fotografen gearbeitet. Vielleicht ist deswegen ihr Film bei aller realistischen Genauigkeit kein quasi-dokumentarisches Sozialdrama, sondern visuell streng durchkomponierte Kunst. Die nervöse Spannung zwischen Distanzwünschen und Nähebedürfnis spiegelt sich in den Bildern – im Wechsel zwischen Großaufnahmen bis hin zum Detail und ruhigeren, beobachtenden (Halb)Totalen.
Es sind die Schwebezustände, die den Reiz des Films ausmachen. Wie schon der Titel andeutet, lebt die Geschichte von Widersprüchen, die bewusst nicht aufgelöst werden. Sind Manu und Jakob Parasiten, die andere aussaugen und benutzen? Eigentlich nein, denn sie gehen zart und sanft dabei vor. Aber irgendwie doch: Sie müssen von der Gesellschaft leben und deren Schwachstellen ausnützen. Dabei lässt sich der Anspruch der Zärtlichkeit nicht immer durchhalten. Um ihr eigenes Ding machen zu können, müssen sie Härte zeigen, unter anderem gegen sich selbst. Wegen dieser ebenso realistischen wie poetisch stimmigen Zweideutigkeit ist Zarte Parasiten ein ungewöhnlich kluger Titel für einen ungewöhnlich klugen Film.
KINO-ZEIT.DE, Peter Gutting
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Wald, Waisen, Spätsommer. Auch das Regie-Duo Christian Becker und Oliver Schwabe („Egoshooter“) lässt ein wild lebendes Pärchen auf eine Rumpffamilie los. Jakob (Robert Stadlober) und Manu (Maja Schöne) haben zwar keinen Wohnsitz, aber eine Geschäftsidee: Sie geben Menschen, was sie brauchen. Manu vertreibt einer alten Frau die Zeit, Jakob hat sich bei einem Ehepaar eingenistet, um den Platz des verstorbenen Sohns zu besetzen, bis es Zeit ist, weiterzuziehen. Doch diesmal ist es anders: Jakob will bleiben. „Zarte Parasiten“ ist die Geschichte einer doppelten Irritation: Zwei vor der Welt verschlossene Blasen zwingen einander zur Öffnung.
Mit kühler Präzision treiben Becker und Schwabe die Auflösung voran.
DER TAGESSPIEGEL, Sebastian Handke
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[...] Erstaunlicherweise taucht das thematische Motiv der allein durch Sehnsucht konstituierten Familie in Christian Becker und Oliver Schwabes Zarte Parasiten wieder auf. Ein aus allen familiären Bindungen gefallenes Pärchen, das im Wald robinsonadisch kampiert, bestreitet seinen ungewöhnlichen Lebensunterhalt, indem es als hilfsbereite familiäre „Dienstleister” zeitweilig bei „Bedürftigen” Unterschlupf sucht: das Mädchen bei einer bettlegerischen alten Dame, der Junge bei einem reichen Ehepaar, das nach dem tragischen Unfalltod seines geliebten Sohnes unter dem Verlustschmerz leidet. Als „zarte Parasiten” füllen sie die Lücke der Einsamkeit und den Verlust von Lebenssinn vorübergehend aus; aber als der Junge sich zu intensiv mit seiner Phantomrolle identifiziert, wird seine eigene Sehnsucht nach einer familiären Verankerung zerstört. Der unspektakuläre kleine Film der beiden Deutschen erinnert in seiner gelungenen Balance tragikomischer Motive an die Anfänge Francois Truffauts.
TITEL-MAGAZIN, Wolfram Schütte
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The line between compassion and exploitation becomes increasingly blurred in
"Tender Parasites," the captivating sophomore feature of Teuton
writer-helmers Christian Becker and Oliver Schwabe. Story of a young hobo
couple who coldly cash in on the needs of the emotionally down-and-out
impresses with its subtle exploration of the necessity and desire for human
warmth. Nuanced lead perfs and an insightful script lift this pic markedly
above its low-budget origins, with a tender reception at fests likely before
it can suck some juice out of niche play and ancillary sales.
Twentysomethings Jakob (Robert Stadlober) and his g.f., Manu (Maja Schoene),
live in an improvised hideout in the woods when they're not with their
clients. Though they mostly work alone, both make a living latching onto
emotionally vulnerable people, maneuvering themselves into their targets'
lives and hoping to turn a profit in return for the "spontaneous" warmth and
care they offer.
Manu's "host" is Mrs. Katz (Gerda Boeken), a feisty old lady whose body
doesn't allow her to indulge in the whimsies of her still-youthful mind,
though Manu (with the occasional help of Jakob) has found a way to keep her
content. Though money exchanges hands and some other unsavory details
emerge, their association could almost be mistaken for a normal, familial
relationship.
Jakob's latest target is a suburban couple who recently lost their son. The
calculating youth first goes after the father, Martin (Sylvester Groth),
awakening his paternal feelings by pretending Martin harmed him in an
accident. Before he knows it, Jakob is invited over for dinner, meets
Martin's wife (Corinna Kirchhoff) and practically moves in with them.
Manu is the first to encounter unexpected trouble in the workplace, which
Jakob solves with such matter-of-fact coldness that he seems incapable of
any real compassion. But then the scribe-helmers ingeniously turn the tables
when it slowly dawns on Manu (and the audience) that Jakob himself is
becoming too enamored of the idea he really is replacing Martin's son.
Pic's intricate emotional undercurrents rep a big improvement over the duo's
somewhat flat debut, "Egoshooter." Between the lines of the mainly
functional dialogue, "Tender Parasites" explores people's need for attention
and warmth from others, and the price, literal or otherwise, that needs to
be paid to receive it. And though the two vagrants living outside the system
clearly love each other -- and Stadlober and Schoene display real chemistry
in their verbal and physical interaction -- the film suggests that having a
loving partner is not enough to satisfy a human being's complex emotional
needs.
Stadlober ("Crazy," "Summer Storm") continues to mature as an actor, and his
physical presence here, especially in closeups, is impressive. Schoene, in a
slightly underwritten role, is equally strong, while her "Buddenbrooks"
co-star Groth finds just the right tone for the grieving father who's unsure
of what to do with his feelings toward his new young friend.
Though their film shares some of the same weltschmerz pessimism and
let's-take-on-the-world-on-our-own-terms attitude of "The Edukators,"
Schwabe and Becker prefer somber but emotionally solid filmmaking over
hipper-than-thou visuals and music.
The grainy and slightly smudgy lensing, by Schwabe himself, is of a piece
with the film's general rough-and-tumble look, and Aurelio Valle's sober but
effective guitar-based score is the kind of emo-depressive fare that
perfectly suits the film's tone. Other tech credits are modestly impressive.
VARIETY, Boyd van Hoeij
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Jakob und Manu machen mehr als nur Arbeit zu finden. Sie besetzen freien Raum, füllen emotionale Lücken, die tatsächlich bestehen. Der Film beschreibt ihre Suche nach Obdach und Nahrung, nach Zuwendung und menschlicher Wärme, ohne sich dabei den überholten Gewohnheiten des aktiven Lebens zu unterwerfen.
Die jungen Regisseure Christian Becker und Oliver Schwabe inszenieren Anomalien und Unerwartetes, das moralisch Verwerfliche und allen Regeln Widerstrebende, ohne moralisch zu sein. ... Sie liefern damit den rebellischen Nachweis, dass eine Existenz neben dem Status Quo möglich und machbar ist.
CINEMATOGRAFO.IT, Davide Turrini
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„Zarte Parasiten“, einer der schillernsten Filme in den letzten Tagen der „Orizzonti“ – Reihe.
Becker und Schwabe folgen der Vielfalt des Alltags. Sie erzählen von dem
Wirtschaftssystem in dem wir leben, von einem jungen obdachlosen Paar, dessen Existenz nur möglich ist, da es symbiotisch aneinander festhält und aus ihrem sozialen Verhalten mit einer kühlen Professionalität Nutzen zieht.
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Die Kamera erspart sich lange Ort- oder Zusammenhangseinstellungen und konzentriert sich auf die Gesichter und Gestik der Darsteller - ständig im Gleichgewicht zwischen Zartheit und möglicher Aggression.
Wie die Regie, so arbeitet auch das Drehbuch mit großer Exaktheit, bedient sich nur weniger essentieller filmischer Elemente und lässt die Details der Geschichte durchsickern.
Das Abseitige der Erzählung erschließt sich in wenigen Dialogsätzen. Wir erfahren wenig über die Vergangenheit der Protagonisten, aber mehr brauchen wir auch nicht zu wissen.
...
„Zarte Parasiten“ ist ein kleiner empfindsamer Film, der intelligent genug gemacht ist, um uns zu berühren und der nebenbei ein präzises Bild wiedergibt, wie es sich anfühlt, Familie zu verlieren.
Die schmerzlichen, zwischenmenschlichen Beziehungen offenbaren sich uns, ohne in soziale Betrachtungen abzugleiten oder sich in Verallgemeinerungen zu verlieren. Für den zweiten Spielfilm dieser beiden Regisseure ist dieses Maßhalten in der filmischen Erzählung nichts anderes als besonders wertvoll.
INDIE-EYE.IT, Alfonso Mastrantonio
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An einer Feier des Lebens, wenn auch in einem gänzlich unkonventionellen Gewand, versuchten sich auch Oliver Schwabe und Christian Becker mit ihrem nach „Egoshooter“ zweiten Langfilm „Zarte Parasiten“. Weniger improvisiert als der Vorgänger, aber immer noch beseelt mit einer radikal schmerzlichen Nähe zu den Figuren, porträtiert das auf den ersten Blick pessimistische Drama ein junges Paar, das einsamen Menschen Aufmerksamkeit gegen Bezahlung schenkt und dabei ein Arbeitsethos entwickelt, das erschaudern lässt. Kaschiert als Aussteiger hausen die geschäftstüchtigen Helfer im Wald, geben sich autark und frei von allen Zwängen, nur um unerwartet dem Charme der Sicherheit einer bürgerlichen Familie zu verfallen, die um ihren verstorbenen Sohn trauert.
Dessen Platz gilt es nach einer Abmachung einzunehmen. Das zu Beginn professionell vollzogene Manöver ist schwer einzuhalten, als sich die nötige Distanz verflüchtigt und Nähe zu den Kunden entsteht. Es ist ein Glücksfall, dass die klugen Regisseure die aufgekommene Spannung in den ausdrucksstarken Gesichtern von Robert Stadlober und Maja Schöne nicht mit einem Gewaltakt lösen. Der emotionale Widerspruch zwischen Härte und Fürsorglichkeit, Nächstenliebe und Egoismus, den das Paar zum Lebensmotto erhoben hat, zieht sie in den Abgrund, lässt sie aber nicht untergehen. Gegenteil: Sie werden ihr „gewissenloses“ Spiel weitertreiben und an ihm wachsen, auch wenn der Preis dafür eine nie endende Flucht ist.
FILMDIENST, Alexandra Wach
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Parasiten gelten gemeinhin als Schmarotzer. In der Alltagssprache heißt das, Parasiten machen sich andere zu Nutze und geben nichts zurück. Nicht so Jakob und Manu, dargestellt von Robert Stadlober und Maja Schöne. Kann etwas Parasitäres nützlich sein? Sind die beiden Hauptfiguren tatsächlich Schmarotzer, weil sie etwas gegen Geld tun, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit im menschlichen Miteinander sein sollte?
Sie sind "Zarte Parasiten".
Nach "Egoshooter" (2005) inszenieren Christian Becker und Oliver Schwabe ein weiteres Projekt zusammen. Dieses Mal thematisieren sie ungewöhnliche Wege aus der Einsamkeit. Behutsam gehen die beiden an die Darstellung der Charaktere, ohne oberflächlich zu bleiben. Nahaufnahmen der Gesichter unterstreichen deren Unsicherheit, lange Bildsequenzen intensivieren das Gefühl beim Zuschauer, alltägliche Vorgänge hinterfragen zu müssen. "Zarte Parasiten" ist ein stiller Film, was hervorragend zum Thema passt. Das Alleinsein steckt in jeder Einstellung des Films, es ist bei denen zu finden, die es verspüren, als auch bei denjenigen die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihm entgegenzuwirken.
"Zarte Parasiten" stellt ein Konzept vor, dass den Verkauf eines Guts beinhaltet, das nach allgemeinem Verständnis jedem frei zugänglich sein sollte. Daher befindet man sich als Zuschauer bald in der Zwickmühle zwischen Sympathie und Ablehnung gegenüber den Protagonisten entscheiden zu müssen. Einerseits helfen sie emotional Bedürftigen, andererseits nutzen sie deren Notlage aus. Ist ihre Dienstleistung nun verwerflich oder nicht? Neben der Einsamkeit thematisiert das Regie-Duo die Abhängigkeit in Liebesbeziehungen. Wenn Maja vor Eifersucht über Jakobs Abwesenheit fast durchdreht, wird ihre Abhängigkeit schnell offensichtlich. Besonders das Liebesspiel zwischen Manu und Jakob in Anwesenheit einer Rentnerin zeigt die tiefe Verbundenheit der beiden. Es gelingt den Regisseuren, die fragwürdige Geschäftsidee in ein positives Licht zu rücken und gleichzeitig unsere immer stärker anonymisierte Gesellschaft anzuprangern. Das ist wohl die größte Leistung des Dramas.
FILMREPORTER.DE, Nina Klofac
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